Globe40: Eine Woche in der Hölle der Roaring Forties – zwischen Rekorden und Rückzügen

Die dritte Etappe der Globe40 von La Réunion nach Sydney entwickelt sich zu einer der härtesten und spektakulärsten des gesamten Class40-Weltrundlaufs. Zwischen technischen Pannen, Geschwindigkeitsrekorden und extremen Bedingungen erleben die Segler eine Erfahrung am Limit des Menschlichen und Technischen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die 3. Etappe der Globe40 von La Réunion nach Sydney zählt zu den anspruchsvollsten des Rennens.
  • Seit dem Start am 22. November 2025 kämpften die 8 Teams zunächst mit den Windstillen des Maskarenen-Hochs, bevor sie nach Süden in Richtung 45° südlicher Breite aufbrachen, um die Westtiefs zu nutzen.
  • Erster schwerer Rückzug: Die deutsche Crew von NEXT GENERATION BOATING AROUND THE WORLD musste wegen eines schweren Riggschadens nach La Réunion zurückkehren – das Ende der Etappe, aber nicht des Abenteuers.
  • An der Spitze liefern sich CREDIT MUTUEL und BELGIUM OCEAN RACING ein enges Rennen mit Geschwindigkeiten über 30 Knoten und extremen Bedingungen.
  • Die Passage von Kap Leeuwin, dem zweiten mythischen Kap, markiert einen strategischen und psychologischen Wendepunkt für die Skipper.
  • Die Ankunft in Sydney wird zwischen dem 11. und 16. Dezember 2025 erwartet, doch die Überquerung der Great Australian Bight und der Bass-Straße birgt noch Überraschungen.

Eine legendäre Etappe – menschliche und technische Herausforderung

Am 22. November 2025 von La Réunion gestartet, mussten die 8 Globe40-Teams zunächst die gefürchteten Flauten des Maskarenen-Hochs überwinden. Danach begann der Vorstoß nach Süden: Die Skipper erreichten schrittweise den 40. und dann den 45. Breitengrad, wo die Westwinde zwar ideale Gleitbedingungen bieten, aber auch Monsterwellen und eisige Kälte herrschen. „Das ist der große Süden, den wir gesucht haben, den wir uns erträumt haben“, gesteht ein Segler. Albatrosse, die Wächter dieser unwirtlichen Gewässer, begleiten die Teams in einer Welt, in der jede Meile mit Müdigkeit und ständiger Wachsamkeit erkauft wird.

Ein Rückzug, der die Härte des Rennens zeigt

Die deutsche Crew von NEXT GENERATION BOATING AROUND THE WORLD musste nach einem schweren Riggschaden aufgeben. Trotz schneller Reaktion war eine Reparatur auf See unmöglich. Nach zwei Tagen Beratung entschieden Lennart Burke und Melvin Fink, nach La Réunion zurückzukehren, wo sie in etwa einer Woche eintreffen werden. Es ist der erste schwere Zwischenfall nach 10.000 Seemeilen – ein Beweis dafür, dass die Globe40 Mensch und Material an ihre Grenzen bringt.

Enges Rennen und Geschwindigkeitsrekorde

An der Spitze liefern sich CREDIT MUTUEL (Ian Lipinski/Amélie Grassi) und BELGIUM OCEAN RACING (Jonas Gerckens/Renaud Dehareng) ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit häufigen Positionswechseln: 29 Mal in zwei Wochen, oft nur mit wenigen Stunden Abstand. Der Geschwindigkeitsrekord der Etappe hält das belgische Team mit 30,8 Knoten. Bei der Annäherung an Kap Leeuwin hat CREDIT MUTUEL einen Vorsprung von etwa 50 Seemeilen, doch nichts ist entschieden: Die älteren „spitzen“ Class40-Booten liegen nur zwei Tage zurück und könnten die Rangliste noch durcheinanderbringen.

Aktuelle Platzierung (5. Dezember 2025):

PositionBootSkipperRückstand (Seemeilen)
1CREDIT MUTUELIan Lipinski/Amélie Grassi
2BELGIUM OCEAN RACINGJonas Gerckens/Renaud Dehareng+50
3FREE DOMThibaut Lefevere/Noé Delpech+500
4BARCO BRASILRichard Palmer/Rupert Holmes+550

Kap Leeuwin – ein entscheidender Meilenstein

Am südwestlichen Zipfel Australiens gelegen, markiert Kap Leeuwin den Übergang vom Indischen Ozean in den Pazifik. Ein strategisch und symbolisch entscheidender Moment: Die Skipper müssen ihre Route anpassen, um die meteorologischen Fallstricke der Great Australian Bight und der Bass-Straße zu umgehen, die für ihre heftigen Strömungen und wechselhaften Winde bekannt sind. „Hier zählt jede Entscheidung“, betont ein Experte.

Nächster Halt: Sydney in Sicht

Die Führenden werden zwischen dem 11. und 12. Dezember in Sydney erwartet, die übrigen Teams sollten bis zum 16. Dezember eintreffen. Doch die Aufholjagd nach Australien bleibt riskant, und die Abstände können sich noch ändern.

Warum ist diese Etappe so besonders?

  • Extreme Bedingungen: Kälte, riesige Wellen, stürmische Winde.
  • Technische Herausforderungen: Material wird bis an die Belastungsgrenze beansprucht, hohes Pannenrisiko.
  • Menschliche Erfahrung: Nur wenige Segler erleben diese Breitengrade, wo die Natur unangefochten herrscht.

Die Globe40 bestätigt ihren Ruf als Rennen, das Sport, Abenteuer und menschliche Dimension vereint – wo Leistung auch bedeutet, die eigenen Grenzen zu überwinden.

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